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Alexander Brochier, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Kinderfonds Stiftungszentrums, im Interview mit Petra Röhrl, Redakteurin der Kinderfonds News
Petra Röhrl: Herr Brochier, die Stiftungen im Kinderfonds Stiftungszentrum haben letztes Jahr knapp 4,5 Millionen Euro für Kinder- und Jugendhilfeprojekte in aller Welt gegeben. Welche Projekte fördern die Stiftungen?Die Bandbreite bei den geförderten Projekten und Einrichtungen ist unglaublich groß. So hat eine Stiftung Aidswaisen in Uganda unterstützt, andere Stiftungen sind für den Unterhalt eines Straßenkinderprojekts in Ecuador aufgekommen oder haben die Unterhaltskosten eines Waisenhauses in Vietnam übernommen. Zahlreiche Stiftungsgelder gingen auch in den Aufbau und den Unterhalt von Kindergärten und Schulen in den ärmsten Gegenden der Welt, unter anderem in Burkina Faso, Indien und der Mongolei. In Deutschland haben sich Kinderfonds Stiftungen beispielsweise an Therapiekosten für chronisch kranke und behinderte Kinder und deren Familien beteiligt. Manche haben auch den Ausbau der Frühförderung von Kindern in heilpädagogischen Zentren unterstützt. Zum Teil haben Stiftungen Einzelfallhilfe geleistet und Familien mit behinderten Kindern bei der Anschaffung eines behindertengerechten PKW geholfen oder die Schulspeisung von armen Kindern bezahlt. Und dann gibt es natürlich Stiftungen, die Soforthilfe bei Katastrophen wie dem Hurrikan Katrina leisten. Diese Vielfalt liegt daran, dass wir den Stiftern hinsichtlich Förderregion, Projektträger oder Maßnahmen keine Vorgaben machen.
Bei den Kinderfonds Stiftungen überrascht das Verhältnis von 4,5 Millionen Euro an Projektunterstützungen zu rund 17,2 Millionen Euro Stiftungsvermögen, was in etwa einem Verhältnis von 1:4 entspricht. Bei anderen Stiftungen liegt das bei 1:17 oder 1:20. Woran liegt das?
Die Kinderfonds Stifter sind in der Regel engagierte Spendensammler und haben ihre Stiftung häufig gegründet, um Projekte, die ihnen am Herzen liegen, zu fördern. Für sie ist die Stiftung die Rechtsform ihrer Wahl, wenn es darum geht, andere Menschen für ihr gemeinnütziges Vorhaben zu begeistern. Viele Kinderfonds Stifter sind dabei äußerst ideenreich: So veranstalten manche Stifter jedes Jahr ein Gartenfest zu Gunsten ihrer Stiftung, andere wiederum rufen zu Spenden an ihrem Geburtstag auf. Die Palette reicht wirklich vom klassischen Spendenflyer, der an Freunde und Angehörige verteilt wird, über Wohltätigkeitsveranstaltungen bis hin zu Versteigerungsaktionen von Promi-Artikeln auf eBay.
Nehmen Ihre Stifter da nicht anderen Organisationen Spendengelder weg? Der Kuchen ist ja nicht unendlich groß.
Das mag in manchen Fällen durchaus so sein, aber ich wage zu bezweifeln, dass die Spenden an unsere Kinderfonds Stiftungen auch in dieser Höhe an andere Organisationen geflossen wären. Sehen Sie, typischerweise spenden viele Kinderfonds Stifter zum Beispiel aus ihrem Privatvermögen in ihre Stiftung oder sammeln Spenden im Kollegen- und Bekanntenkreis. Das Geld bekommen sie nur, weil die Menschen zu ihnen Vertrauen haben und wissen, dass hier jemand mit Leib und Seele hinter einer Sache steht. Das ist in beiden Fällen Geld, das so womöglich gar nicht oder nicht in dieser Höhe geflossen wäre, denn das Vertrauen in große Organisationen ist seit der Unicef-Affäre – ob berechtigt oder unberechtigt – erschüttert.
Vielen Dank für das Gespräch.
Gerne.
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